Pratyahara

Unter Pratyahara versteht man das Zurückziehen der Sinne. Es ist die Disziplinierung der Sinne (Geschmack, Sehen, Hören, Riechen, Fühlen) und des Geistes.

"Prati" bedeutet wider, weg oder entgegen und "ahara" Kost. Es gibt drei Arten von Kost - die physische, mentale und psychische. Die physische Kost stellt die notwendigen fünf Elemente zur Erhaltung des physischen Körpers bereit. Die mentale Kost besteht aus Impressionen, welche die subtilen Elemente als Nahrung des Verstand/Geistes durch Sinnesempfindungen der fünf kognitiven Sinne erbringen. Die dritte Art ist psychisch - das In-Kontakt-Kommen mit Menschen oder Assoziationen. Diese beeinflussen uns mit den drei verschiedenen Gunas - der sattwischen (leichten, reinen), rajastischen (beweglichen) und tamasischen (schweren) Qualität. Das Nicht-Beachten bzw. außer Acht lassen dieser externen Beeinflussungen nennt man Pratyahara.

 

Yogis erkannten schon seit jeher die Wichtigkeit von Pratyahara. In vielen alten Schrifte, wie z.B. der Hatha Yoga Pradipika, der Yog Darshan (Yoga-Philosophie) von Patanjali sowie auch in den verschiedenen Upanishaden wurde Pratyahara erwähnt. Auch in der Bhagavad-Gita beschreibt Lord Krishna ausführlich die Kontrolle über die Sinne, die schlußendlich zu deren Zurückziehen führt.

 

Gemäß der Yoga Philosophie von Patanjali ist Pratyahara die fünfte von acht Stufen des Ashtanga-Yoga. Die ersten vier zählen zu dem „Bahiranga“ (externen) Yoga, d.s. Yama, Niyama, Asana und Pranayama, die letzten drei werden dem „Antaranga“ (internen) Yoga gezählt, d.s. Dharana, Dhyana und Samadhi. Pratyahara gehört sowohl zum externen, wie auch zum internen Yoga, es ist sozusagen eine Brücke von Bahiranga zu Antaranga Yoga.

 

In der Yoga Philosophie von Patanjali wird Pratyahara in Kapitel II, Vers 54/55 folgendermaßen erklärt: „Wenn die Sinne sich von ihren Objekten zurückziehen und sozusagen in das Eigenwesen des Geistes eingehen, so ist das Pratyahara“ – „daraus resultiert die vollkommene Beherrschung der Sinne“.

 

In einem Kommentar über Patanjalis Sutras über Pratyahara stellt Vyasa folgenden Vergleich an: Die Sinne sind wie ein Bienenschwarm, die ihrer Königin (dem Verstand/Geist) überall hin folgen. Es ist ein Faktum, dass, wenn sich Prana (Lebensenergie) bewegt, sich dann auch der Verstand/Geist und in Folge die Sinne regen. Wenn also Prana kontrolliert werden kann, können auch die Sinne und dadurch der Verstand/Geist bis zu einem bestimmten Grad kontrolliert werden.

 

Wenn die volle Aufmerksamkeit auf den Atem gerichtet ist, d.h. wenn der Übende voll und ganz in dieses Tun vertieft ist, dann folgt Pratyahara praktisch automatisch. Der Verstand/Geist ist vollends mit dem Atem beschäftigt, sodass alle Verbindungen zwischen den Sinnen und äußeren Objekten, die nichts mit dem Atem zu tun haben, abgeschnitten sind. Schluss folglich ist Pranayama hilfreich, den Zustand von Pratyahara zu erreichen.

 

Pranayama-Techniken kombiniert mit Mudras helfen die Sinne zu kontrollieren. Shanmukhi, Sambhavi, Unmani und Kechari – diese Mudras helfen dem Übenden zweifellos den Zustand von Pratyahara zu erlangen. Zum Beispiel werden beim Shanmukhi-Mudra die Augen, Ohren, Nase und der Mund mit den Fingern geschlossen, sodass die Sinne von äußeren Einflüssen isoliert sind.